Die Entstehung des Bräutelns

Ein bisschen Geschichte ...

Die bekanntere, aber vermutlich falsche Version ist, daß es nach dem 30-jährigen Krieg entstanden ist. Die Bevölkerung habe, von Not geplagt, die Lust selbst am Heiraten verloren. Als sich schließlich doch einer der jungen Burschen traute, zu heiraten, hätten ihm seine Kameraden versprochen, ihn an der Fasnet auf einer Stange und unter den Klängen von Trommeln und Pfeifen um den Marktbrunnen zu tragen.


Diese Version wurde z.B. auch auf dem Notgeld in den Jahren 1918 und 1920 festgehalten.

Einscht hot onser Ländle so hoimg'sucht der Schwed',
Daß Koiner hot Luscht meh' zum Heirata g'hett,
der Erscht der's probiert hot in selbiger Zeit,
Den hot ma vor Freud um de Brunna rom trait.
Doch heut z'Tag isch umkehrt do hot mancher Bua,
d'Luscht wohl und s'Mädle, – koi Geld doch dazua,
koi Wohnung, nix z'essa, – koi Kinderwiag,
-s' ischt schlimmer als wia noch dem Schweda Kriag

Tatsächlich geht der Brauch aber wohl auf ältere Vorbilder zurück, wie das Gesellenbaden, das in Sigmaringen schon Ende des 16. Jahrhunderts erwähnt wird und auch in einer Verordnung vom Februar 1672 von Fürst Meinrad verboten wird. Möglicherweise bildet dieses Verbot den Übergang zur heutigen Form. Jedenfalls feierten die Sigmaringer 1872 eine 200-Jahrfeier ihres Bräutelns. In seiner jetzigen Form läßt sich das Bräuteln mit Sicherheit seit dem Jahre 1723 belegen. Grüne Hochzeiter und die Hochzeitsjubilare, sowie Neubürger, werden all jährlich eingeladen, diese Ehre anzunehmen und sich vor allem Volk auf der Stange zu präsentieren.

Erste urkundliche Erwähnung


'9. Februar 1723, zufolge gnädigsten Befehl denen jungen Gesellen allhier vor die gewöhnliche Aus Kaufung des Bronnen Tragens, 4 Gulden, 10 Kreutzer'

 
Der damalige Fürst Josef von Hohenzollern-Sigmaringen hatte sich am 20. April 1722 mit Franziska Ludowika Gräfin von Oettingen-Spielberg vermählt und kaufte sich an der darauffolgenden Fasnet vom Bräuteln frei.
Dieser Freikauf lässt darauf schliessen, daß es eine schon länger bestehende Tradition war, daß Hochzeiter sich freikaufen konnten, und auch das Fürstenhaus dieser Tradition nicht ablehnend gegenüber stand


Übergabe der Bräutlingsstange

Vorspiel zum Historischen Bräuteln ist die Übergabe der Bräutlingsstange an die Bräutlingsgesellen am Fasnetssonntagmorgen auf dem Marktplatz. Damit übernehmen die Narren die Macht in der Stadt, und der Bürgermeister wird abgesetzt.
Die beginnende Fasnet wird in Sigmaringen mit dem Ruf begrüßt:
'Jetzt ischt Fasnet wieder komma'
Der Satz entstammt der Weisung an die Bräutlingsgesellen, die Jahr für Jahr ergeht:

Jetzt ischt d`Fasnet wieder komma-
Voller Luscht und Narretei-
D'Stang und d`Fahna han mr gnomma-
Wia des Brauch von alters sei! -
Wia vor viela hundert Johra-
Wo der Brauch entstande ischt-
Gschiehts au heut, wo's Fasnet wora-
Dass der Brauch jo it verlischt.

Nach der Übergabe der Bräutlingsstange führt der Ober-Bräutlingsgeselle einen Rundtanz zur Dideldo-Melodie aus


Einladen der Bräutlinge

Anschließend ziehen die Bräutlingsgesellen durch die Stadt und laden die Bräutlinge zum 'Historischen Bräuteln' ein.

 

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Text- und Bildquelle: www.vetter-guser.de